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Nachhaltiges Fischfutter

Nachhaltiges Fischfutter
Fotograf: Norwegian Seafood Council

Wissen, was reinkommt – Fischfutter in der norwegischen Fischaufzucht
Fast jeder zweite Fisch, der weltweit auf den Tisch kommt, stammt aus Aquakulturen – Tendenz steigend. Das Fischfutter ist eine der wichtigsten Komponenten für eine gesunde Fischaufzucht. Grund genug, einmal genau zu schauen, was bei atlantischem Lachs, Fjordforelle und Artgenossen gegessen wird.

Als Pionier der Fischzucht und zweitgrößter Fischexporteur der Welt setzt Norwegen weltweit Maßstäbe in der nachhaltigen Fischzucht. So zum Beispiel beim Raum in den Netzgehegen: 2,5 Prozent Fische kommen hier auf 97,5 Prozent Fjordgewässer – reichlich Platz zum Schwimmen. Auch beim Fischfutter gelten hohe Ansprüche, die durch strenge Vorschriften an Lieferanten und Produzenten gesichert werden.

Mann mit Lachs

Nur bestes Futter führt zu bester Lachs-Qualität.

Fischmehl und -öl machen nur 30 Prozent des Fischfutters aus

Auf dem Speiseplan der norwegischen Zuchtlachse stehen zu 70 Prozent pflanzliche Rohstoffe. Die restlichen 30 Prozent kommen aus marinen Quellen wie Fischöl oder Fischmehl – früher lag dieser Anteil bei 90 Prozent. Auf den Einsatz genmanipulierter Organismen wird in Norwegen komplett verzichtet. Die Zusammensetzung des Futters folgt der Empfehlung des unabhängigen Nationalen Instituts für Ernährungs- und Seafood-Forschung (NIFES).

Die Herstellung des Fischmehls und -öls erfolgt aus zwei verschiedenen Rohstoffquellen. Einerseits werden sogenannte Sidecuts genutzt – Fischreste, die bei der Verarbeitung übrig bleiben. Andererseits werden Wildfische verarbeitet, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind.

Grafik nachhaltiges Fischfutter

Nachhaltigkeit: für alle Futter- und Zuchtbetriebe verbindlich.

Anhand von Trackingsystemen und regelmäßigen Prüfungen der Lieferanten wird sichergestellt, dass die verwendeten Wildfische aus behördlich regulierten Fischereien kommen. Zudem sind Fischmehl und -öl nach dem IFFO RS1 Standard zertifiziert. Die IFFO ist ein Beobachter für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Die Vorgabe untersagt die Nutzung von Fischen aus nicht regulierten und nicht angemeldeten Fängen.

Dank intensiver Forschung ist es heute möglich, den Anteil an pflanzlichen Bestandteilen zu erhöhen, um gleichzeitig die Menge an Fischmehl und -öl zu verringern. Die Reduzierung des marinen Anteils im Fischfutter ist eine nachhaltige Maßnahme, die zwei Dinge sicherstellt: Einerseits die weltweit steigende Nachfrage von Fischen aus Aquakultur zu gewährleisten, andererseits die begrenzten marinen Ressourcen zu schonen und zu erhalten.

¹IFFO (International Fish Meal and Fish Oil Organization); IFFO RS (Global Standard and Certification Standard for the Responsible Supply of Fishmeal and Fish Oil)

Fischfutter-Pellets

Mit strengeren Vorschriften als die EU: Fischfutter in Norwegen.

Herkunft des Fischmehls und -öls

Peru ist einer der größten Lieferanten von Fischmehl und -öl für die norwegischen Fischzüchter. Das südamerikanische Land ist heute das Gebiet mit den meisten Unternehmen und Produktionsstätten, die nach IFFO RS zertifiziert sind. Der am häufigsten verwendete Fisch ist die Sardelle. Die peruanische Sardellenfischerei wird regelmäßigen Kontrollen unterzogen, um die Einhaltung der Standards zu sichern. Geprüft werden unter anderem die Herkunft aus regulierter Fischerei, die Rückverfolgbarkeit und die verantwortungsvolle Weiterverarbeitung der Fische. In der letzten Überprüfung im Mai 2016 erzielten die Unternehmen in allen Bewertungskriterien erneut sehr gute Ergebnisse. Zusätzlich betreibt die peruanische Regierung stetige Management- und Kontrollmaßnahmen.

Der IFFO RS Standard soll nun auch auf die Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Produktionsstandorten ausgeweitet werden. Norwegen und der IFFO erarbeiten aktuell eine Leitlinie, die nach Abschluss zukünftig fester Bestandteil des IFFO RS Standards sein soll.

Geringer Einfluss der norwegischen Aquakultur auf das lokale Ökosystem

Norwegische Aquakulturen liegen direkt in den Fjordgewässern; unmittelbar in der Natur. Für eine möglichst geringe Beeinflussung des Meeres ist daher ein verantwortungsbewusster Umgang aller Beteiligten zu jeder Phase der Aufzucht unerlässlich. Norwegen hat hierfür eine Vielzahl von Gesetzen und Überwachungssystemen festgelegt und arbeitet eng mit Wissenschaft und Industrie zusammen, um eine nachhaltige Fischzucht zu gewährleisten.

Diese schreiben regelmäßige Inspektionen von unabhängigen Organisationen vor, deren Ergebnisse an das Amt für Fischerei übermittelt werden müssen und jederzeit für die Öffentlichkeit unter www.fiskeridir.no zugänglich sind. Geprüft wird das Ökosystem der norwegischen Produktionsstandorte sowie der angrenzenden Gebiete. In den regelmäßigen Kontrollen werden während der höchsten Produktionsphase und am Ende des -zyklus die Bedingungen auf dem Meeresboden sowie die der darin lebenden Tiere geprüft und bei Bedarf die Produktionsrate an die ökologische Situation des Standortes angepasst. Ist eine Zucht ausgewachsen bleibt die Anlage mindestens drei Monate ungenutzt, bevor eine neue Generation an Fischen dort heranwachsen darf.

Die letzte Analyse 2014 bescheinigt 94 Prozent der Produktionsgebiete und 93 Prozent der angrenzenden Gebiete gute bis sehr gute Umweltbedingungen auf und unter dem Meeresboden – ein Beweis für das verantwortungsbewusste Handeln der norwegischen Fischzüchter. Nach über 40 Jahren Aquakultur in Norwegen weist bis heute kein einziger Fjord Schäden auf.

Einsatz von Ethoxyquin bei Fischmehl

Ethoxyquin (EQ) ist ein Antioxidationsmittel, das in der EU als Zusatz für Fischfutter erlaubt ist. Dies muss nach gesetzlicher Vorschrift Fischmehl beim Transport auf großen Schiffen hinzugegeben werden, da sonst bei der Lagerung Oxidationsprozesse aktiviert werden, die zur Selbstentzündung führen können. Die maximale Menge von EQ im Fischmehl beträgt laut EU-Gesetzen 150 mg/Kilo.

In Norwegen werden die Futtermittelgesetze von der Norwegischen Aufsichtsbehörde für Lebensmittelsicherheit (Mattilsynet) geregelt und überwacht. Aktuelle Ergebnisse des Kontrollprogramms zeigen, dass eine große Portion norwegischer Lachs (300 Gramm) nur 4 bis 15 Prozent der von der WHO erlaubten maximalen Tagesmenge EQ enthält.

Ungeachtet dessen, wird kontinuierlich an der Optimierung der Lagerungs- und Transportmöglichkeiten und dem damit verbundenen Einsatz von Antioxidationsmitteln geforscht. Ziel ist es, die Menge der verwendeten Zusatzmittel weiter zu senken.

Grafik Ethoxyquin im Lebensmittelvergleich

Weitere Informationen zur Aquakultur in Norwegen finden Sie hier.

Edvard-Kristiansen